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Auf Wohnungssuche in Paris
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Ein Zuckerschlecken ist die Suche nach einer Wohnung ja nie, aber in Paris sollte man sich auf ganz neue Dimensionen gefasst machen! Unbedarfte, naive, womöglich noch aus einer possierlichen Kleinstadt kommende deutsche Studenten (diese Beschreibung trifft wohl auf mich zu) werden bei der Pariser Wohnungssuche auf den Prüfstand gestellt.

Wer glaubt, keine großen Ansprüche zu haben und davon ausgeht, dass für 350€ im Monat doch etwas zu finden sein müsste, der hat sich ganz klar getäuscht. Dies wird einem schon ganz am Anfang beim Durchsehen der Wohnungsanzeigen allzu deutlich. Unter 500€ geht gar nichts.

Also gut. Wer in der Lage ist, diesen Preis zu bezahlen, darf weiter suchen. Ansonsten geht es außerhalb der Stadtmauer weiter. Diese ist in Paris jedoch kein altes, romantisches Gemäuer, sondern der gefühlt 25-spurige Périphérique, der die Stadt mit ihren 20 Arrondissements aber mindestens genauso wirksam von allen Eindringen bewahrt.

Also weiter mit der Suche: Die vorher getroffene Auswahl der in Betracht zu ziehenden Arrondissements, erweitert sich schnell auch auf - alle anderen. Die Preise und das Angebot lassen einfach nichts anderes zu. Die Ansprüche werden also heruntergeschraubt, Kompromisse müssen eingegangen werden. Macht ja nichts, nur nicht den Mut verlieren! Die Internetseiten und alle Annoncenblätter werden systematisch durchsucht und ein Besitzer nach dem anderen angerufen.

Ein weiterer Missglaube, der ganz schnell korrigiert wird: Wohnungen, die seit zwei Wochen im Netz stehen, sind bestimmt noch frei. Nein! In Paris läuft das anders. Man kann sich die Wohnungssuche wie den ersten Tag des Schlussverkaufs vorstellen, bloß dass es auf dieser Suche leider keinen Zeitraum gibt, der sich als etwas ruhiger herausstellt. Es ist ein Kampf, indem man mit allen Waffen kämpfen muss. Die Leute tun alles, um am Ende für 500€ in einem muffigen Loch mit Schimmel an der Wand zu hocken. Da fängt man bald an, die l’art de vie zu bezweifeln, die man sich doch so relaxt und locker ausgemalt hat.

Also: Wenn eine Wohnung als frei ausgeschrieben wird, sollte, nein, muss man sich sofort auf den Weg machen! Und mit sofort meine ich sofort. Das heißt anrufen, und jede erdenkliche Uhrzeit, die sich der Besitzer für die Besichtigung vorstellt, annehmen. Auch wenn das heißt, am Sonntag morgen um 7 Uhr. Ruhig eine Stunde Fahrt einrechnen, denn Paris ist groß, und wer zuerst kommt mahlt zuerst.

Ja, diese Pariser - ich versuche mir verzweifelt vorzustellen, wie wohl der Tages- und Wochenablauf eines Menschen aussehen kann, der seine einzige freie Zeit an einem Sonntag morgen um 7 Uhr findet. Ich könnte das ja noch verstehen, wenn er jeden Besucher oder besser Bewerber, einzeln empfängt. Aber nein, schon um halb sieben stehen die Leute vor der Tür Schlange. Der Besitzer kommt, und rein geht es in das Gebäude: Haupteindruck von außen: groß und grau. Es geht die Treppe hoch, dritter Stock, und durch den Flur - das Licht funktioniert gerade nicht, aber durch eine Art Luke wird er gerade so erleuchtet, dass man dem Vermieter hinterher gehen kann ohne zu stolpern. Da wird auch schon die Wohnungstür geöffnet: Die Wohnung erscheint nach dem Flur mit den quietschenden Dielen und dem Muff darin erst einmal unwahrscheinlich hell und sauber. Möbliert ist sie auch, zwar nicht außergewöhnlich schön, aber das hat schließlich auch seinen Grund: Auf 14 Quadratmetern Wohn- und Schlafbereich, Bad und Küche unterzubringen ist ja auch nicht leicht. Bald bekomme ich Erstickungsängste, denn 20 Menschen, die sich wie wild gewordene Hühner um den Vermieter scharren, sind für diese Größe einfach zu viel.

Da meldet sich der Vermieter zu Wort und erklärt die Bedingungen für den Mietvertrag: Personalausweis, drei Monatskaltmieten als Kaution, Kopien der Gehaltschecks der letzten drei Monate, einen Brief des letzten Vermieters, indem dieser bestätigt, dass man auch immer ein braver Mieter gewesen ist. Nach mehreren Rückschlägen aufgrund fehlender Dokumente habe ich dieses Mal alles beisammen. Ich habe mich fast bis zum Vermieter durchgeschlagen, da bekomme ich einen Anruf von einer Freundin, die auch auf Wohnungssuche ist und mir mitteilt, eine unglaublich schöne Wohnung für zwei gefunden zu haben. Wir könnten sie sicher haben, denn sie ist gegenüber des Pärchens bei dem sie babysittet. Sie ist gerade erst freigeworden und wurde auch noch gar nicht annonciert. Ich muss aber sofort zur Besichtigung kommen. Also lasse ich dem Vermieter einfach nur die Kopien aller Dokumente da, und verschwinde, ohne ein weiteres Wort mit ihm zu wechseln.

Als ich bei der Wohnung ankomme, fallen mir fast die Augen aus dem Kopf vor Glück und Überraschung: zweistöckiges Altbauhaus mit Innenhof, 55qm, Dielenboden, Stuck an der Decke, ruhige (!) Nachbarschaft, 14. Arrondissement, zwei Minuten von der nächsten Metrostation entfernt! Und das alles für den gleichen Preis wie die letzte. Unglaublich, ich sage sofort zu und komme mir vor, als hätte ich einen Sechser im Lotto gewonnen!

So kann es also auch gehen - ein wenig Vitamin B und eine kleine Priese Glück, und schon ist die Traumwohnung da!

Wer also in Paris auf Wohnungssuche ist, dem kann ich nur raten, so früh wie möglich Augen und Ohren aufzusperren, jedem den man kennt von seiner Suche zu erzählen, und dann klappt es vielleicht genauso gut wie bei mir! Meine Daumen halte ich gedrückt!

Hier noch ein paar Tipps: Die Internetseiten sind zu vielfältig um sie alle auflisten zu können, deswegen: einfach bei Google „appartement Paris“ eingeben und die einzelnen Seiten durchgehen. Eine Seite, die mir bei der Suche von großem Nutzen war: acheter-louer.fr Wenn die Suche erfolgreich war, auf jeden Fall sofort bei der CAF (Caisses d’allocations familiales) anmelden: dort bekommt man bis zu 150€ im Monat Unterstützung!

  von Katrin
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