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Feiertag - Essenstag
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Feiertag in Frankreich. Essenstag in Frankreich. Sie haben das Glück, zu einer französischen Hochzeit, 1. Mai- oder Weihnachtsfeier eingeladen zu sein? Dann wählen Sie am besten eine Hose mit Gummibund und nehmen sich jede Menge Zeit.

Denn in einem Land, in dem bereits ein normales Abendessen drei Gänge beinhaltet und in dem man mit Freunden schon mal fünf Stunden am Tisch verbringen kann, da sind Feiertage noch einen Hauch viel versprechender. Beginnen Sie möglichst schon einige Tage vorher, Ihren Magen vorzubereiten. Sei es, indem Sie weniger essen, um Platz zu schaffen, sei es, indem Sie die Menge erhöhen, um den Magen an die zu erwartende Menge zu gewöhnen. Und machen Sie sich auf einiges gefasst!

Stellen wir uns vor, die aktuelle Feierlichkeit ist abgeschlossen, alle sind vom Kirchgang oder vom Standesamt zurück oder endlich angekommen, dann kann die Schlemmerei beginnen. An einer langen Tafel nehmen Familienmitglieder und Freunde oder Nachbarn und alle, die das Glück haben eingeladen zu sein, Platz. Der festlich geschmückte Tisch enthält Wein- und Wassergläser, große Platzteller, es stehen Getränke und Brotkörbchen bereit. Je nach Jahreszeit wurde der Aperitif entweder draußen, vor dem Weihnachtsbaum oder im Rathaus eingenommen, so dass man direkt mit Essen beginnen kann.

Es ist Mittagszeit und alle freuen sich auf ein leckeres Essen. Also auf zum ersten Gang, vielleicht ein kleiner Salat oder eine kleine Suppe. Die Portion wird Ihnen vermutlich winzig vorkommen, gut dass Brot bereit steht. Doch Moment, der nächste Gang sieht keinesfalls wie eine Hauptspeise aus, immer noch kalt, kommen jetzt zum Beispiel Krabben, etwas Schinken, die berühmte Gänsestopfleber oder Pastete auf den Tisch. Hmmm... zwei Vorspeisen also. Aber so sollten Sie gar nicht weiter zählen. Denn es wird schwierig sein, die von nun an unendliche Speisenfolge zu kategorisieren. Kaltes, Warmes, Fleisch, Fisch, nochmal ein kleiner Salat, geben sich quasi die Klinke in die Hand. Und ehe der Gast sich versieht ist es 17 Uhr am Nachmittag und die Käseplatte steht auf dem Tisch. Das heißt dann aber auch: Nachtisch um 18 Uhr.

Während der letzten sechs Stunden hat die feiernde Runde den Tisch also höchstens zum Rauchen oder um etwas Platz im Magen zu schaffen verlassen. Ganz Mutige (und meistens die Jüngeren) haben zwischen zwei Gängen sogar einen kurzen Gang um den Block gewagt oder sich einem kurzem Schläfchen hingegeben. Meistens harren die älteren Generationen stundenlang am Tisch aus. Dafür ist ein kleiner Kaffee zwischen zwei Gängen allerdings keine Seltenheit, um dem Verdauungsschlaf entgegen zu wirken. Natürlich herrscht keine einzige Minute Stille, denn auch heute gilt: Der Feiertag ist vor allem dazu da, um seine Lieben wieder zu sehen und sich über alles Wichtige und Unwichtige auszutauschen. Fotos werden um den Tisch gereicht, Adressen und Telefonnummern ausgetauscht und neue Freundinnen und Freunde vorgestellt. Die Generationen sitzen jeweils zusammen am Tisch, was jedoch keinen davon abhält bei Oma und Opa, Tante und Onkel vorbei zu schauen.

Doch halt, Nachtisch um 18 Uhr? Das Fest ist doch wohl noch nicht zu Ende? Nein... kurze Zeit später geht es dann einfach wieder von vorne los. Würziges, Warmes, Kaltes und Süßes werden wieder von neuem aufgefahren, bis sich alle die Bäuche halten. Nicht zu vergessen ist natürlich, dass während der ganzen Zeremonie nicht unbeträchtliche Mengen Wein durch die Kehlen fließen, so dass die gute Laune stetig wächst. Langsam nimmt dann das Fest sein Ende, wenn einer nach dem anderen mit einem glücklichen Lächeln (und dem Verdacht auf Alpträumen) mit auf der Leibesmitte verschränkten Händen eindämmert.

  von Daniela
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